Vorwort: Und Gott schuf die Welt (1)

„Es war eine seltsam wunderbare Begegnung mit Sabine Wagenseil. Als ich im Jahre 2002 nach einem neunjährigen Einsatz in einem südamerikanischen Armenviertel in die Schweiz zurückgekehrt war, fiel mir ihre Broschüre „Tod ist nicht tödlich“ in die Hand. Wie sollte ich mich in solcherart „esoterische“ Literatur einlassen, nachdem ich jahrelang allen Fratzen der inneren und äusseren Armut begegnet war? Zunächst riet der kritische Theologe in mir zur Vorsicht. Doch diese „Durchsagen“ des verstorbenen P. Wolfgang Abt zogen mich in Bann und schienen mir nicht bloss vernünftig zu sein, sondern im besten Sinne auch erhebend und befreiend. Trotzdem beschloss ich, die Autorin zuerst persönlich kennen zu lernen und mir erst dann ein Urteil zu erlauben.

Die Begegnung kam zustande mit einer liebenswürdigen Person, die ganz in sich und gleichzeitig mit beiden Füssen auf dem Boden stand. Bald spürte ich, dass ich jemandem gegenüberstand, die mit ihren gut vierzig Jahren schon eine erstaunliche spirituelle Reife und Klarheit ausstrahlte. Besonders beeindruckte mich ihre Durchlässigkeit, ihre wache innere und äussere Aufmerksamkeit – Frucht ihrer konsequenten täglichen Meditation und ihrer Kontemplationskurse, die sie seit dem unerwarteten „Einbruch der andern Welt“ anbietet. So also ist ein Mensch, der mehr hört und wahrnimmt als ich und jeder „normale“ Erdenbürger. Zum ersten Mal lernte ich einen Menschen kennen, dessen Drittes oder Inneres Ohr so stark entwickelt war.
Und ich erinnerte mich an Sankt Benedikt: „ Wer hört, wird ankommen ...“. So war ich gespannt auf ihr zweites Opus „Und Gott schuf die Welt“. Bei der Lektüre kam mir Rilkes Gedicht in den Sinn:

Ich kreise um Gott
Um den uralten Turm
Und ich kreise jahrtausendelang
Und ich weiss noch nicht
Bin ich ein Falke
Ein Sturm
Oder ein grosser Gesang.


In immer neuen Anläufen umkreist sie oder besser das „Es“, das in ihr spricht, oder der „jemand“, der in ihr und durch sie sich ausdrückt, das Geheimnis des Seins, das wir sind. Ich entdeckte darin sehr dichte Stellen, die höchster mystischer Erfahrung gleichkommen.
Wer sich auf den inneren spirituellen Weg gemacht hat, wird in diesem starken Text eigene Erfahrungen gespiegelt sehen. Dem Sog in die Tiefe – oder in die Höhe – die diese mystische „An-Sprache“ in einem ausübt, wird sich niemand entziehen können.“

„Und Gott schuf die Welt“ 1. Teil
Louis Zimmermann, Theologe