Vorwort: Vom Berg Arunchala
Vor einiger Zeit stiegen Sabine, ein Freund und ich von Tiruvannamalai auf den Berg Arunachala. Wir keuchten beim steilen Aufstieg und schwitzten in der ungewohnten Hitze Südindiens; und als wir schon fast soweit waren, das gewohnte „Oh und Ah“ ob der schönen Aussicht am Gipfel auszustoßen, geschah etwas, das unsere touristischen Laute verstummen ließ: Drei junge Männer schienen auf dem Gipfel wie auf uns gewartet zu haben. Sie begrüßten uns ohne Fragen und ohne große Umstände zu machen freundlich und führten uns mit liebevoller Achtsamkeit in das Wunder dieses Berges ein, der einst die Wohnstätte von Ramana Maharshi war.
Von diesem Wunder handelt dieses Buch. „Der Heilige Berg im Süden Indiens ist kein Wallfahrtsort, kein Pilgerziel“, schreibt Sabine Wagenseil. „… Arunachala ist ein Ruf mitten ins Herz. Arunachala holt dich nach Hause. Arunachala – das bist Du!“
Für Ramana Maharshi war der Berg ein lebendiges Wesen, das jeden verwandelt, der mit ihm in Berührung kommt. Ich habe unsere Verwandlung gesehen. Schon beim Abstieg waren wir nicht mehr wirklich Touristen, die das oder jenes sehen und haben wollten. Wir waren bei uns selbst angekommen.
Wir hatten uns ganz der liebevollen Führung der jungen Männer anvertraut. Sie führten uns sicher den steilen Pfad hinab ins Tal, denn allein wäre es für uns nur unter großer Anstrengung möglich gewesen. Ich fühlte ihre Geschicklichkeit, die Kraft ihrer Jugend, ihre Achtung vor uns alternden Europäern. Und ich nahm wahr, wie ich mich selbst in der Tiefe meines Herzens annahm mit meinen unsicheren Tritten und einer für solche Wege nicht geübten Kondition.
Die jungen Inder, die uns führten, unsere kleine Gruppe, die Unwegsamkeiten des Pfades, die Kraft des Berges – wir waren all das selbst geworden; wir waren eins geworden. Der Berg hatte uns verwandelt: aufgestiegen waren wir als Touristen, bemüht ums „Haben“, um eine Sehenswürdigkeit mehr; abgestiegen sind wir ohne etwas zu wollen, mit offenem Herzen, in der Erfahrung eins zu sein ohne ein zweites. Alles war wie vorher. Was sich verändert hatte, war die Perspektive unserer Wahrnehmung.
Von dieser Veränderung handelt dieses Buch.
Mögen Sie sich mitnehmen lassen auf diese Reise, auch wenn sie manchmal etwas unwegsam erscheint. Mögen Sie Ihre Vorstellungen von dem, was richtig und was falsch ist für kurze Zeit auf die Seite stellen. Mögen Sie Ihr Wissen von dem, wie etwas geht, für kurze Zeit vergessen. Mögen Sie Ihre Konzepte erkennen, als das, was sie sind, nämlich als verabredete Orientierung und als Landkarten der Welt. Und vielleicht geschieht es dann, dass sie sich selbst anschauen, als die, die Sie wirklich sind. Vielleicht werden Sie sehen, dass Sie selbst diese Welt sind, dass es da kein Zweites gibt.
Ingo Benjamin Jahrsetz
www.holotropes-atmen.com
























